"         Autorenspiegel \n   \n Christiane Giffhorn \n   1949  geboren in Rotenburg/Wümme    1968  Abitur an einem Naturwissenschaftlichen Gymnasium in Celle    1968–1969  studium generale am Leibniz-Kolleg in Tübingen    1969  Jura-Studium in Tübingen, seit 1971 in Göttingen    1972  Abbruch des Jurastudiums, verschiedene Gelegenheitsjobs als Kellnerin und Verkäuferin    1973–1974  Arbeit als \"Bezugsperson\" in einem Kinderladen    1974/77  Studium der Erziehungswissenschaft in Göttingen   \n   \n Wolfgang Keckeisen \n   1946  geboren in Stuttgart; aufgewachsen in Stuttgart (bis 1963) und Frankfurt    1966/67  Ziviler Ersatzdienst    1967/74  Studium der Erziehungswissenschaft, Soziologie, Psychologie und Rechtswissenschaft in Frankfurt    1973  Diplom in Pädagogik    1974/77  Wiss. Assistent am Pädagogischen Seminar der Universität Göttingen    \n   \n Klaus Mollenhauer \n   1928  geboren in Berlin    1944/48  Luftwaffenhelfer, Gefangenschaft, Abitur    1948/50  Studium an der PH Göttingen    1950/52  Volksschullehrer in Bremen    1952/58  Studium der Pädagogik, Soziologie und Literaturwissenschaft in Hamburg und Göttingen, Promotion    1958/65  Wissenschaftlicher Assistent bzw. Akademischer Rat in Göttingen und Berlin (Freie Universität)    1965/77  Prof. für Pädagogik an der PH Berlin (1965) und an den Universitäten Kiel (1966), Frankfurt (1969) und Göttingen (1972)   \n   \n Michael Parmentier \n   1943  geboren in Frankfurt    1963  Abitur    1963–1968  Studium der Germanistik, Geschichte, Philosophie, Staatsexamen    1969–1978  Studium der Erziehungswissenschaften in Frankfurt, Tutor    1972/77  Wiss. Assistent am Pädagogischen Seminar der Universität Göttingen   \n    Studierhinweise \n  Erziehungswissenschaft wird auf verschiedene Weisen betrieben. Im folgenden Kurs wollen wir einen Typus von erziehungswissenschaftlichem Denken und Forschen darstellen, dem sich – ungefähr seit 1968 – einige Erziehungswissenschaftler zuwandten, angeregt durch die Frankfurter \"Kritische Theorie\" (zu dieser gehören vor allem die Philosophen/ Soziologen Adorno, Habermas, Horkheimer, Marcuse). \n  Um diesen mit Gewinn und ohne übermäßige Verständnisschwierigkeiten durcharbeiten zu können, sollten Sie mindestens über folgende Grundkenntnisse verfügen: \n   –  Grundprobleme pädagogischer Theoriebildung (Kurs: Einführung in die pädagogische Theoriebildung 1 und 2)  –  anthropologische Grundkenntnisse (Kurs: Einführung in die Anthropologie der Erziehung 1 und 3)  –  Grundkenntnisse von Methoden erziehungswissenschaftlicher Forschung  \n  Wir empfehlen Ihnen besonders, aus dem Kurs noch einmal die Interpretation des Vorlesungstextes von F. D. Schleiermacher und aus dem Kurs das Kapitel über \"gesellschaftliche Ansätze\" zu studieren. \n  Die Übungsaufgaben dieses Kurses werden Sie vielleicht teils für ungewöhnlich oder gar unzweckmäßig halten. Versuchen Sie dennoch, sie zu lösen. Wir sind nämlich der Meinung, daß die Einsicht in die Hemmungen, Widersprüche und Bedingtheiten des Denkens, Fühlens und Handelns zu den Grunderfahrungen gehört, ohne die eine \"Pädagogik der Kritischen Theorie\" u. E. ihren Sinn verlöre. \n    Kursübersicht \n   \n   1.  Einleitung  2.  Zur Geschichte der Kritischen Theorie  3.  \"Traditionelle\" und \"kritische\" Theorie  \n   \n   1.  Zur Thematik der Kritischen Theorie und ihrer pädagogischen Relevanz  2.  Zur Methode der Kritischen Theorie  3.  Utopie und Ideologie: Zur Normativitätsproblematik  \n   \n   1.  Erziehung als Interaktion  2.  Probleme einer kritischen Didaktik  3.  Zur Methodologie erziehungswissenschaftlicher Forschung  \n   \n   1.  Abweichendes Verhalten – Normalität und Anormalität  2.  Moralische Erziehung – postkonventionelle Moral  3.  Ästhetische Erziehung – kritische Produktivität  4.  Grundregeln des Erziehungshandelns – Erziehung als Vergesellschaftung  \n    Lernziele \n  Wenn Sie den vorliegenden Kurs durchgearbeitet haben, dann sollten Sie \n   –  die für die \"Kritische Theorie\" charakteristische Kombination von philosophischen und gesellschaftstheoretischen Fragestellungen kennen;  –  die Bedeutsamkeit dieser Fragestellungen für das pädagogische Handeln und seine Ziele, für die Auswahl der Thematik und für die Methoden erziehungswissenschaftlicher Forschung diskutieren können;  –  die Aufnahme und Verarbeitung der Kritischen Theorie in der gegenwärtigen erziehungswissenschaftlichen Diskussion kennen und beurteilen können;  –  Vorstellungen von einer Form des Umgangs mit sich selbst und einer Erziehungspraxis entwickeln können, die mit jener Theorie übereinstimmt.  \n    Literaturverzeichnis \n  Einführende bzw. grundlegende Literatur (zur Anschaffung empfohlen) \n   Adorno, Th.W.: Erziehung zur Mündigkeit, Frankfurt/M. 1975  Habermas, J.: Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus, Frankfurt/M. 1975   Klafki, W.: Aspekte kritisch-konstruktiver Erziehungswissenschaft, Weinheim 1976  Lenzen, D.: Didaktik und Kommunikation, Frankfurt/M. 1973 (Fischer Athenäum 3006)  Mollenhauer, K.:Theorien zum Erziehungsprozeß, München  1976   Mollenhauer, K./Rittelmeyer, Chr.: Methoden der Erziehungswissenschaft, München 1977  \n    Grundlegende Literatur (Originaltexte der Kritischen Theorie) \n   Adorno, Th.W.: Studien zum autoritären Charakter, Frankfurt/M. 1973  Ders.: Ästhetische Theorie, Frankfurt/M. 1974 (suhrkamp taschenbuch Wissenschaft 2)  Fromm, E.: Sozialpsychologischer Teil, in: Studien über Autorität und Familie, Paris 1936  Habermas, J.: Erkenntnis und Interesse, Frankfurt 1968 (suhrkamp taschenbuch Wissenschaft 1)  Ders.: Was  heißt  Universalpragmatik? in: Karl-Otto (Hrsg.), Sprachpragmatik und Philosophie Frankfurt/M. 1976  Ders.: Vorbereitende Bemerkungen zu einer Theorie der kommunikativen Kompetenz, in: , Theorie der Gesellschaft und Sozialtechnologie Frankfurt/M. 1974  Habermas, J./Friedeburg/Oehler/Weltz: Student und Politik Neuwied 1961  Horkheimer, M. : Kritische Theorie I/II Frankfurt/M. 1968   Institut für Sozialforschung (Hrsg.): Soziologische Exkurse. Frankfurt/M. o.J.  Marx, Karl: Die deutsche Ideologie  Ders.: Thesen über Feuerbach  Beide Texte vollständig in: Marx/Engels Werke, Bd. 3, Berlin (DDR) 1969 ; oder – in für die Zwecke des Kurses hinreichenden Auszügen – in: , Studienausgabe in 4 Bänden, Bd. 1 Frankfurt/M (Fischer Taschenbuch 6059)  Ziehe, Th.: Pubertät und Narzißmus, sind Jugendliche entpolitisiert? Frankfurt/M. 1975  \n    Weiterführende Literatur \n   Adorno, Th.W.: Noten zur Literatur, Bd. I und II Frankfurt/M. 1958 und 1961  Ders.: Negative Dialektik Frankfurt/M. 1966  Ders.: Minima . Reflexionen aus dem beschädigten Leben Frankfurt/M. 1969 (Bibliothek Suhrkamp 236)  Adorno/Frenkel-Brunswik/Levinson/Sanford: The Authoritarian Personality (Studies in Prejudice, Vol. I) New York 1950  Benjamin, W.: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit Frankfurt/M. 1963  Ders.: Berliner Kindheit um Neunzehnhundert Frankfurt/M. 1975 (Bibliothek Suhrkamp 2)  Bernfeld/Reich/Jurinetz/Sapir/Stoljarov: Psychoanalyse und Marxismus Frankfurt/M. 1970  Brenner, Ch.: Grundzüge der Psychoanalyse Frankfurt/M. 1967  Dermitzel, R.: Thesen zur antiautoritären Erziehung in: Kursbuch 17, 1969, S. 179–187  Freud, S. : Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, Frankfurt/M. 1977  Fromm, E.: Analytische Sozialpsychologie und Gesellschaftstheorie Frankfurt/M. 1970  Habermas, J.: Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus Frankfurt/M. 1975  Ders.: Strukturwandel der Öffentlichkeit Neuwied  1962   Horkheimer, M.: Dämmerung dem Pseudonym Heinrich Regius), Zürich 1934  Laplanche/  Pontalis  : Das Vokabular der Psychoanalyse Bd. I und II, Frankfurt/M. 1973  Offe, C.: Tauschverhältnis und politische Steuerung. Zur Aktualität des Legitimationsproblems: Strukturprobleme des kapitalistischen Staates Frankfurt/M. 1972  Wolf, M.: Individuum/Subjekt/ Vergesellschaftung der Produktion: Ästhetik und Kommunikation, Heft 15/16 1974, S. 83–103  \n    Texte zu erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen \n   Blankertz, H.: Theorien und Modelle der Didaktik München (9. Auflage) 1975  Brumlik, M./Keckeisen, W.: Etwas fehlt. Zur Kritik und Bestimmung von Hilfsbedürftigkeit: Krimi. J. 4/1976  Cicourel, A.: Sprache in der sozialen Interaktion München 1975  Döbert, R./Habermas, J. (Hrsg.): Die Entwicklung des Ichs Köln/Berlin 1977  Elias, N.: Der Prozeß der Zivilisation Frankfurt/M. 1976  Foucault, M.: Überwachen und Strafen Frankfurt/M. 1976  Frommann, A./Schramm, D./Thiersch, H.: Sozialpädagogische Beratung: Z.f.Päd. 5/1976  Heinze, Th./Müller, E ./Stickelmann, B./Zinnecker, J.: Handlungsforschung im pädagogischen Feld München 1975  Kamper, D. (Hrsg.): Über die Wünsche München 1977  Keckeisen, W.: Die gesellschaftliche Definition abweichenden Verhaltens München 1974  Klafki, W.: Aspekte kritisch-konstruktiver Erziehungswissenschaft Weinheim 1976  Lenzen, D.: Didaktik und Kommunikation Frankfurt 1973  Lorenzer, A.: Zur Begründung einer materialistischen Sozialisationstheorie Frankfurt 1972  Meyer-Denkmann, G.: Struktur und Praxis neuer Musik im Unterricht Wien 1972  Mollenhauer, K.: Theorien zum Erziehungsprozeß München 1972  Mollenhauer, K.: Interaktion und Organisation in pädagogischen Feldern Z.f.Päd. 13. Beiheft, hrsg. von H.  Moser, H.: Aktionsforschung als kritische Theorie der Sozialwissenschaften München 1975  \n    Literaturverzeichnis \n   Einführende Literatur (zur Anschaffung empfohlen) \n   Erziehung zur Mündigkeit. Frankfurt  Traditionelle und Theorie. Frankfurt  Kultur und Gesellschaft I. Frankfurt  \n    Grundlegende der Kritischen Theorie \n   Ästhetische Theorie. Frankfurt   Erkenntnis und Interesse. Frankfurt  Kritische Theorie I/II. Frankfurt 1968  Institut für Sozialforschung (Hrsg.) Soziologische Exkurse. Frankfurt  Die deutsche Ideologie  Thesen über Feuerbach  Beide Texte vollständig in: Marx/Engels Werke, Bd. 3, Berlin (DDR) 1969 ; oder – in für die Zwecke des Kurses hinreichenden Auszügen – in: Karl Marx: Friedrich Engels, Studienausgabe in 4 Bänden Bd. 1 Frankfurt/M (Fischer Taschenbuch 6059)  \n    Darstellungen und Kritiken \n   Horkheimer. Rowohlts Bildmonographien 208. 1973  Dialektische Phantasie. Die Geschichte der Frankfurter Schule und des Instituts für Sozialforschung 1923–1950. Frankfurt 1976  Kritik und Interpretationen der Kritischen Theorie. Gießen (Verlag Andreas Achenbach) 1975 (Reprint)  Zur Idee der Kritischen Theorie. München  \n    theoretisch und praktisch relevante Literatur \n   Minima moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben. Frankfurt  Berliner Kindheit um Neunzehnhundert  Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Frankfurt (edition suhrkamp 28)  Triebstruktur und Gesellschaft. Frankfurt  \n    Nachschlagewerke \n  Nachschlagewerke, die der Kritischen Theorie voll gerecht würden, liegen nicht vor. \n  Wir empfehlen dennoch: \n   Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Hamburg 1955  Marxistisch-leninistisches Wörterbuch der Philosophie. Reinbek (Rowohlt Taschenbücher 6155-7)  \n       Lernziele \n             \n    Einleitung \n    Zur Geschichte der \n   Vorbemerkung \n  Die unter dem Namen oder auch nach dem Sitz ihres Instituts als \"Frankfurter Schule\" Theorie insbesondere verbunden mit den Namen und \n    Geschichte des Frankfurter Instituts für Sozialforschung \n  Das Institut wurde 1923 gegen den zunächst heftigen Widerstand der Frankfurter Universität gegründet. Trotz losen Angliederung an die Universität, die durch ein Ordinariat des Institutsdirektors gewährleistet werden sollte, war die Institutsarbeit in der Bestimmung ihrer Forschungsinhalte und -methoden . \n  Motiv für die Gründung \n Motive und Ziele \n unabhängig von universitärer staatlicher und ohne Rücksichten Bindung an eine der sozialistischen deutschen Parteien eine Analyse der bürgerlichen Gesellschaft zu , die die Möglichkeiten interdisziplinärer Forschung und Theoriebildung ausschöpfte. \n  Die , die von 1932 bis \n Zeitschrift \n von Horkheimer im Auftrag des Instituts herausgegeben wurde, sollte als Publikationsorgan des Instituts der Verwirklichung Programms dienen \n  Während der Emigration wurden zunächst in einer Pariser Ausgabe das Fragment der empirischen Untersuchung zu \"Autorität und Familie\" veröffentlicht \n  1950 wurde das Institut, wiederum unter Leitung , neu eingerichtet. \n    Auseinandersetzung mit dem Faschismus \n  den Faschismus nicht als historische Entgleisung , die mit der Restauration bürgerlich-demokratischer Verhältnisse überwunden wäre, sondern als in der Struktur bürgerlich-kapitalistischer Gesellschaft latent angelegt. \n  \"Die Nationalsozialisten fallen aus der Ent \n Der Faschismus als Konsequenz der bürgerlichen Gesellschaft \n wicklung nicht heraus, wie die Rede, sie seien Gangster, es unterstellt. … Nicht einbrechende Gangster haben in Deutschland die Herrschaft über die Gesellschaft sich angemaßt, sondern die gesellschaftliche Herrschaft geht aus ihrem eigenen ökonomischen Prinzip heraus in die Gangsterherrschaft über\". (Horkheimer, Vernunft und Selbsterhaltung, S. ) . \n  Die Ursachen für den Umschlag des liberalistischen in den faschistischen Staat sind also nach der Kritischen Theorie nicht in der offensichtlichen Verletzung bürgerlich demokratischer Prinzipien in rassistischen Ideologien und Führertum zu suchen, sondern in Entwicklungstendenzen, die in liberalistischen angelegt waren \n  Die ökonomischen Grundlagen für die Entwicklung des autoritären Staates \n   (Marcuse, Kultur und Gesellschaft , Bd. I, S. 32 ) \n     : Fragen an die Pädagogik \n  In knappen Umrissen haben wir versucht, Grundthesen und -Annahmen der Kritischen Theorie darzustellen, zunächst allerdings unter Absehung von der weiteren Entwicklung, die diese Theorie genommen hat. Zum Abschluß dieser Studieneinheit aber soll doch schon die Frage aufgeworfen werden, welche Theoreme der Kritischen Theorie für eine pädagogische Theorie bzw. Erziehungswissenschaft von Bedeutung sein könnten. Wir wollen diese in der Form von Interpretationshypothesen formulieren, d. h. in der Form von Annahmen darüber, welche Theoreme der Kritischen Theorie in welcher Hinsicht für die Pädagogik von grundsätzlicher Bedeutung \n Mögliche Bedeutung einiger Theoreme der Kritischen Theorie für die Pädagogik: Vier Hypothesen \n sein könnten. \n   1.  Kinder kommen mit einer biologisch beschreibbaren Ausstattung ihres Organismus zur Welt. Andererseits ist ihr Bildungsprozeß sowohl als eine Ausformung dieser Ausstattung wie auch als Lern- und Umlernprozeß bestimmbar. Die Pädagogik drückt diesen Sachverhalt mit dem Begriff \"Bildsamkeit\" aus. Der Kritischen Theorie können wir die Aufforderung entnehmen, .  2.  Wo die bürgerliche Pädagogik das in seiner allgemeinsten Form zu beschreiben versuchte, sprach sie von der . Die Kritische Theorie verlangt hier eine Präzisierung muß ermittelt werden, was aus der Tatsache folgt, daß \"Mündigkeit\" eine normative Kategorie ist, die historisch der bürgerlichen Gesellschaft zugehört Selbstbestimmung über die bürgerliche Gesellschaft hinausweisthätte die Pädagogik mit dieser umzugehen?  3.  Die Kritische Theorie verlangt Wissenschaftler wie vom Bürger überhaupt, daß sie sich zu dem gegebenen historischen Bestand an Institutionen, Werten, Vorstellungen, Gewohnheiten in eine kritische Distanz setzen, d. h. diese nicht als unveränderbare Fakten akzeptieren, sondern sie unter dem Gesichtspunkt ihrer Änderbarkeit betrachten. Für den Erziehungsvorgang nun ist wesentlich, daß das Kind, um sich bilden zu können, mit dem historisch gegebenen kulturellen Bestand vertraut gemacht wird. Wie der Künstler auf das historisch produzierte Material der von ihm verwendeten Medien angewiesen ist, um Neues zu \"montieren\", so ist das Kind auf die Aneignung jener Kompetenzen angewiesen, die die Beteiligung als Gesellschaftsmitglied überhaupt erst möglich machen. Zugleich aber müßte es – nach den Postulaten der Kritischen Theorie – lernen, sich jenem kulturellen Material gegenüber distanziert zu verhalten, um . Ist dieses Problem innerhalb einer pädagogischen Theorie lösbar?  4.  Und schließlich: Folgt man den Grundannahmen der Kritischen Theorie, dann muß jede Lebensäußerung als Moment des ganzen gesellschaftlichen Zusammenhanges in einer besonderen geschichtlichen Situation betrachtet werden, im Falle der gegenwärtigen Form der bürgerlichen Gesellschaft besonders als Moment der kapitalistischen Ökonomie. Für die Erziehungswissenschaft sind damit mindestens zwei Fragen aufgeworfen, die sich aus der erkenntnistheoretischen Position der Kritischen Theorie ergeben: Was folgt aus der Annahme, daß auch der, der über Erziehung (wissenschaftlich) nachdenkt, durch die Begriffe, Verfahren und \"wahrnehmenden Organe\" an den geschichtlichen Zusammenhang gebunden ist, den er erkennen will und was folgt aus der Annahme, daß auch der Gegenstand des Erkennens – die Erziehung nämlich in allen ihren Ausprägungen – Moment des gleichen Zusammenhanges ist? Was folgt daraus für die Wahl, die der Erziehungswissenschaftler für seine Themen und die Wahl, die er hinsichtlich seiner Methoden zu treffen hätte?  \n      "